Was passiert bei einem Grounding der Flyers?
Innerhalb des Trauerspiels der Kloten Flyers, die vor dem möglichen Konkurs stehen, stellen sich zahlreiche Fragen. Hier die Antworten auf die wichtigsten.
Frage 1: Was passiert mit den Spielern?
Bis am Dienstag ging das Sommertraining wie gewohnt vonstatten – auch wenn die Ablenkung durch das Schlamassel um Führung und Finanzen beträchtlich ist. Die Zukunft der Spieler ist offen, ihre arbeitsrechtliche Situation jedoch klar: Mit dem Nichtbezahlen der April-Löhne haben die Flyers ihre Pflicht verletzt, nun können die Spieler eine Frist zur Begleichung der Schuld setzen – was sie gestern auch mit dem Datum 31. Mai 2012 gemacht haben. Verstreicht diese Frist ungenutzt, können die Spieler ihre Arbeitskraft aussetzen oder per sofort kündigen.
Obschon die anderen Clubs bisher auf konkrete Angebote verzichtet haben, dürfte dieser Zustand nicht länger anhalten. Falls die Flyers die Zahlungsfrist für die April-Löhne nicht einhalten, sind die Spieler frei, anderswo einen Vertrag zu unterschreiben.
Frage 2: Was passiert mit den Junioren?
Bis zu den Novizen ist der Nachwuchs dem Verein EHC Kloten angeschlossen, die Elite-Junioren gehören ebenso wie die NLA-Mannschaft zur EHC Kloten Sport AG. Verein und Sport AG sind rechtlich getrennte Organisationen, deren Zusammenarbeit vertraglich geregelt ist. Während die Elite Teil eines Nachlasses oder Konkurses wäre, würde die gesamte übrige Juniorenbewegung vom Schicksal der Sport AG nur indirekt betroffen – indem die als Perspektive wichtigste oberste Stufe wegfiele. Existenzgefährdend müsste das nicht sein: Vizepräsident Jan Schibli hat zugesichert, dass die bisher von der Sport AG geleisteten Beiträge über andere Kanäle in Zukunft gewährleistet wären.
Frage 3: Wer würde die Flyers ersetzen?
Niemand. Im Falle einer Relegation würde die NLA nächste Saison nur elf Mannschaften umfassen, die Modalitäten einer Wiederaufstockung für 2012/13 wären dann Thema der Ligaversammlung vom 7./8. Juni. Der HC Lausanne hat zwar seine Ansprüche auf einen NLA-Platz bereits kundgetan und wäre der Wunschkandidat der meisten A-Clubs. Doch die Waadtländer haben dieses Jahr erneut die Ligaqualifikation verpasst, und NLB-Meister Langenthal will erst gar nicht aufsteigen. Marc Furrer, Vizepräsident Leistungssport beim Verband, hat eine Promotion Lausannes explizit ausgeschlossen: «Es wird mit Kloten gespielt oder dann mit elf Teams.»
Frage 4: Gibt es ähnliche Fälle?
Nein. Die Situation ist neu, was die höchste Liga betrifft. Als sich der EHC Arosa, 1982 noch letztmals Meister geworden, am 13. März 1986 in die 1. Liga verabschiedete, war der Abstieg freiwillig. Präsident Peter Bossert hatte erkannt, dass der entlegene Dorfclub ein Budget von zwei Millionen Franken oder mehr, wie es in der NLA üblich geworden war, nicht mehr stemmen konnte. Der SC Bern erbte den Platz der Bündner, der ZSC als Letzter musste absteigen. Der Zürcher Stadtclub seinerseits ging 1997 neue Wege, als er sich angesichts seiner finanziellen Not mit der GC-Eishockeysektion zusammenschloss.
Zahlreich sind die Fälle von Rückzügen aus der NLB, die deshalb als «Pleiteliga» apostrophiert wird. Im April 1974 zog sich der SC Küsnacht freiwillig aus der zweithöchsten Klasse zurück, weil dem Goldküstenverein 50'000 Franken in der Kasse gefehlt haben. Forward Morges (Dezember 2005) und die Neuchâtel Young Sprinters (Oktober 2009) mussten ihren Betrieb wegen Finanzproblemen sogar mitten in der Saison einstellen. 1999 verabschiedeten sich Martigny und NLA-Absteiger Herisau freiwillig in die 1. Liga, 2008 der EHC Chur – dies jeweils nach der Saison. Der SC Luzern, 1996 von Arno Del Curto in die NLB geführt, beschloss zwei Jahre danach wegen Schulden sogar als erster Nationalliga-Club seine Auflösung.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.05.2012, 10:25 Uhr